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Point of View Dynamics 365: Die Zukunft digit ...

Der Unterricht endet an diesem Tag für alle Schülerinnen und Schüler um Die vorläufigen Klassenlisten hängen am Montag, September, ab 9 Uhr im Haupteingangsbereich der Schule aus. Staatssekretär Bernd Sibler besuchte die Landauer Realschule. Beispielsweise ermöglichen zwei Tablet-Koffer mit insgesamt 32 Geräten die Unterstützung von Lernprozessen in Unterricht und Projekten. Die 15 Mädchen aus der achten Jahrgangsstufe können sich intensiv über naturwissenschaftlich-technische Ausbildungsberufe und Studiengänge informieren, in denen Frauen bislang noch eher wenig vertreten sind.

Ziel ist, Mädchen und junge Frauen für Technik zu begeistern, was nicht nur durch zahlreiche Betriebserkundungen, sondern vor allem durch viel praktische Werkstattarbeit erreicht wird. Dies ist umso wichtiger, als dass MINT jungen Menschen vielversprechende und interessante Zukunftsperspektiven eröffnet. Bernd Sibler war begeistert vom Digitalen Lernen. Wahlfach Robotik an der Landauer Realschule: Schülerzeitungsredakteure Florian Karl und Gerald Vilsmeier.

Rechts neben Bernd Sibler: Realschuldirektor Josef Wimmer 2. Bei Vorliegen einer entsprechenden Profilbildung kann von einer digitalen Schule gesprochen werden. Je früher Talente entdeckt werden, umso gezielter können sie bei ihrer Entfaltung gefördert werden.

Deshalb benötigen wir schon in den Schulen Programme, die früh die Begeisterung junger Menschen für Technik fördern. Das ist aus unserer Sicht genau der richtige Ansatz, um die Begabungen der Jugendlichen früh zu erkennen und zu fördern und ihr Interesse für technische Berufe zu wecken.

Die Schulen werden auf Basis eines anspruchsvollen, standardisierten Kriterienkatalogs bewertet und durchlaufen einen bundesweit einheitlichen Bewerbungsprozess.

Gewonnen hat in diesem Jahr Nicole Eisner aus der Klasse 6a. Sie hat sich gegen die drei anderen Klassensieger durchgesetzt. Eine Jury, bestehend aus den Deutschlehrkräften der 6.

Klassen und zwei Mitgliedern des Elternbeirates, hat es sich nicht leicht gemacht, die Siegerin zu bestimmen, da alle vier Klassensieger gute Vorleser waren. Die Schüler lasen zunächst eine Stelle aus einem selbstgewählten Buch und danach einen unbekannten Text.

Für den ersten bis dritten Platz spendete der Elternbeirat jeweils einen Buchgutschein des Cactus Buchladens. Zufällig dreht es sich um Dr. Müller, einen Facharzt der Abteilung, der damals hoffentlich auch verstanden hatte, dass ich geistig sehr verwirrt war.

So forderte ich den Doktor eindeutig auf: Jetzt im Nachhinein finde ich diesen Satz immer noch sehr peinlich und kann nur hoffen, dass der Arzt eben wirklich wusste, was mit mir und meinem Geist los war. Dieser entsprechend, wurden die Besucher eingeteilt, sodass nicht an einem Tag viele kamen und am nächsten Tag niemand. So geschickt war die Liste, dass zu der Zeit, wo es mir schon besser ging, jeden Tag jemand auf Besuch kam. Leider konnte ich mir nichts von dem merken, was damals im AKH passierte.

Ich hatte deshalb einen Fragebogen entworfen und alle, die mich damals besuchten, gebeten, die Besuche und spezielle Vorfälle zu schildern. Einiges konnte ich auf diesem Weg erfahren und das möchte ich nicht für mich behalten.

Susi kam mich bereits auf der Intensivstation besuchen. Anfangs kam sie nur kurze Zeit, weil ich so müde war und viel schlief. Moni war damals meine beste Freundin, mit der ich mich vor dem Unfall oft getroffen hatte.

Über viele Sachen und Probleme plauderten und diskutierten wir damals. Ich hatte fest geschlafen und Moni durch mein gutes Aussehen überrascht.

Die Vorstellungen eines Laien wie ein gebrochener, zusammengeflickter Schädel tatsächlich aussieht, gehen eben weit auseinander Das nächste Mal nahm Moni ihren Freund Michael mit. Eigentlich hatte ich diesen Burschen schon sehr gut gekannt. Trotzdem antwortete ich auf die Frage, ob ich ihren Freund kennen würde: Auch daran, dass ich an der nächsten Station, der Abteilung für neurologische Rehabilitation sehr aggressiv wurde, konnte sich Moni nicht erinnern.

Einmal kam gerade als sie zu mir ins Zimmer eintreten wollte, meine Mutti weinend herausgelaufen. So böse Sachen musste ich damals zu ihr gesagt haben, dass ich sie extrem traurig gemacht hatte. Keine Erklärung für den Grund meines Aufenthaltes im Krankenhaus wollte ich verstehen.

Jeder Versuch mir beruhigende Worte zuzusprechen war erfolglos und deprimierend. Damals war ich alles andere als leicht zu überreden Notwendiges einzusehen. Mit viel Mühe und Überredungskraft war es Moni gelungen, mich zu überzeugen, dass ich mit ihr in den Raum ging, wo einige wichtige Untersuchungen gemacht werden mussten. Ja, die Medizinstudenten muss man nicht ständig fördern, dachte ich mir damals.

Moni zuliebe ging ich aber trotzdem mit. Neben Moni gab es als zweite feste Freundin Sissi, die so wie ich viel mit Pferden zu tun hatte. Auch sie erlebte mich bei ihrem ersten Besuch auf der Intensivstation nur schlafend. Als sie dann das zweite Mal vorbei kam, war ich schon etwas wach. Ich redete sehr viel. Als Germanistin sind Sissi natürlich gleich die Sprachschwierigkeiten und Erinnerungslücken aufgefallen und dass ich mich an viele Sachen nicht erinnern konnte.

Zwei Mädchen, die mich öfter im Spitalsbett liegen sahen, waren meine beiden Cousinen Barbara und Birgit. Beide meinten, dass ich sehr unterschiedlich aufgelegt war. Je länger ich im Krankenhaus war, desto mehr wünschte ich, wieder nach Hause gehen zu dürfen. Es war wirklich schwierig für den Besucher, diesbezüglich verständnisvoll zu reagieren.

Natürlich mag kein Mensch freiwillig im Spital liegen, aber gewöhnlich sieht man den Zwang für einen derartigen Aufenthalt ein. Ich verstand das damals nicht. In meinen Augen nützte mein Aufenthalt nur dem Zwecke, Medizinstudenten zu prüfen und zu unterrichten. So beschloss ich nach einigen Wochen die angehenden Ärzte sitzen zu lassen.

Obwohl das Studium uns schon seit einiger Zeit nicht mehr zusammenführte, hatte ich noch Kontakt mit einer ehemaligen Kollegin, namens Marietta. Auch sie sah mich auf der Intensivstation zum ersten Mal. Ich war unansprechbar und versetzte damit meine Freundin in eine traurige Stimmung.

Ich tat ihr leid, doch konnte sie es mir nicht einmal sagen, weil ich geistig so weit entfernt war. Beim nächsten Mal erkannte ich sie bereits als sie bei der Tür herein kam.

Ich bekam überhaupt nicht mit, dass Marietta eigentlich nichts von meinem ständigen Gerede verstand. Marietta hatte damals einen neuen Freund, den sie mittlerweile bereits geheiratet hatte. Damals hatte sie aber Bedenken, ob ich dies in meinem Zustand verstehen würde. So bat sie ihren Freund, im Vorzimmer zu warten.

Ich hätte mich sicher nicht aufgeregt, wenn eine für mich fremde Person gekommen wäre. Wenigstens noch ein Mensch, dem ich alles erzählen hätte können, was mir so spontan einfiel. Gemeinsam hätten sie dann die Inhalte meiner Gespräche überlegen und entschlüsseln können.

Eine weitere Studienkollegin und Freundin ist Margit. Sie wohnt im entfernten Bregenz und es war eigentlich ein Zufall, dass die gerade zu dieser Zeit wieder einmal nach Wien kam. Mutti nahm gleich an, dass ich sicher im Kaffeehaus sitzen würde. Sie hatte natürlich Recht.

Margit war etwas schockiert … oder sagen wir lieber überrascht, als sie mich sah. Ich hatte seit unserem letzten Treffen Gewicht abgenommen, wirkte für Margit aus optischer Sicht eingefallen und müde.

David und Manfred wurde der Besuch eben sobald erlaubt, weil beide Medizin studierten und laut meiner Mutter dabei sicher etwas lernen würden. So verständlich und natürlich der Anblick für Medizinstudenten sein sollte, waren sie doch ein wenig mitgenommen, als sie mich zum ersten Mal sahen, da es sich doch um eine Freundin handelte.

Sie redeten auf mich ein. So schienen sie ihre Angst und Unsicherheit loswerden wollen. Auch diesen Medizinstudenten war es unklar, wieviel oder wie wenig ich eigentlich verstand. Sie wussten wohl, dass meine Heilungsphase lange dauern wird. So viel hatten sie bei ihrem Medizinstudium gelernt, dass ein Schädel-Hirn-Trauma durchaus geistige Schäden hinterlassen kann.

Gemeinsam mit David und Manfred wollte er mich noch am selben Tag sehen. Nachdem er sich durch alle möglichen Abteilungen des AKHs durchgefragt hatte, fand er endlich die richtige Intensivstation. Dort angekommen erfuhr er von der Krankenschwester, dass sie pausenlos Besucher wegschicken musste. Erstens wäre der Eintritt in mein Zimmer ohne Genehmigung meiner Eltern verboten und zweitens würde ich in meiner Bewusstlosigkeit sicher kein Auge aufmachen. Laut seiner Schilderung war er zwei Mal auf der Intensivstation bei mir.

Nur der Puls erhöhte sich laut Maschinenangabe um fünf bis zehn Schläge in der Minute, wenn er einen Satz sagte. Auch ihm fielen die vielen Apparate, die rund um mein Bett standen und die Fesseln der Arme und Beine auf. Erfreulicherweise war aber mein persönlicher Anblick. So zerquetscht sah mein Gesicht nicht aus, wie man sich vielleicht hätte erwarten können. Auch an den gemeinsamen Besuch mit David auf der neurologischen Station konnte sich Fritz nach erinnern.

Er wusste noch, dass an diesem Tag der nette Dr. Schnider mir einen therapeutischen Ausgang am Wochenende anbot. Stattdessen hörte ich meinen Besuchern zu und versuchte den Eindruck zu machen, als würde ich alle erzählten Geschichten verstehen. Nur selbst tat ich mir beim Denken, Reden und Verstehen schwer. Langsam begann ich wieder in der humorvollen Art und Weise zu sprechen, wie es für mich typisch war und wieder wurde. Auch Oliver gehörte zu meinem Freundeskreis.

Er war während meines Unfalls gerade auf Urlaub und kam erst Wochen später auf Besuch. Zuvor hatte er schon viel über mich und dem Spital erzählt bekommen. Als er mich zum ersten Mal sah, war er sehr überrascht über meinen doch schon recht guten Zustand. Englisch sprach ich damals nicht mehr. Oliver war überrascht, dass ich überhaupt reden konnte. Ich sprach zwar nur wenige Sätze, aber immerhin. Viel mehr als Oliver hatte mich damals die Infusionsflasche interessiert.

Aber nicht weil sie so wie jeden Tag über meinem Bett gehangen war. Nein, ich wollte die Flasche unbedingt loswerden, war aber mit meinen angebundenen Armen viel zu weit entfernt. Arbeitskolleginnen und Kollegen wurden ebenfalls von Neugier und Mitleidsgefühlen gepackt.

Erst nach ein paar Wochen kam mich Evi mit der Kollegin, die als Ersatz die Redaktion meiner Seiten übernommen hatte, besuchen. Die Ersatz-Kollegin kam mir überhaupt nicht bekannt vor.

Nein, davon hatte ich wirklich keine Ahnung mehr. Wegen meiner Vergesslichkeit ist mir zumindest alles neu vorgekommen. Tina wurde nach der Schule immer von meiner Mutter betreut, deshalb standen wir untereinander noch in Kontakt. Zufällig kamen sie gerade am 4. August, meinem Namenstag mit einem Päckchen zu mir.

Ich hatte nur erfahren, dass er schon in der Intensivstation neben mir gesessen war. Mehr Besuche waren es nicht. Nein, fairerweise muss ich gestehen, dass ich durch die ausgeteilten Fragebögen nicht mehr erfahren hatte. Erster und letzter Ausflug in die Freiheit Jetzt wollen Sie sicher wissen, wie man diese Überschrift zu verstehen hat. Sieben Wochen hatte mich das Spital schon festgehalten. Von einigen Freunden hatte ich ein paarmal gehört, dass Sommerferien wären.

Warum sollte ich dann noch länger bei den ärztlich verkleideten Studenten im Spital bleiben? Ich stellte mir selbst diese Frage und kam zu dem Entschluss, dass mich im Krankenhaus niemand mehr für Übungen oder sogar Prüfungen brauchen würde. Also beschloss ich nach Hause zu gehen. Ich kam auf die Idee, die Krankenschwester nicht mehr länger ärgern zu wollen. Daher war ich sehr froh, dass Papa am Samstag in der Früh mich mit seinem Auto abholen kam.

Wie schön und vor allem wie gesund musste die Fahrt ins Freie für mich gewesen sein, endlich wieder frische Luft einatmen zu können. Wie mein Papa auf die Idee kam mich abzuholen, wollen Sie wissen? Ja, genauer gesagt war es gar nicht die Idee meines Vaters, nein, der nette mich betreuende Arzt Dr. Peter Schnider hatte diesen Einfall. Schon am Mittwoch davor kam er zu mir ins Zimmer und schlug mir vor, das kommende Wochenende tagsüber zu Hause zu verbringen.

Nur übernachten müsste ich im Krankenhaus. Am Abend wieder ins Spital zurückkommen. Wer mag denn schon tagsüber nach Hause und in der Nacht wieder im Krankenhaus schlafen? Ich hätte gerade dem scheinbar so erfahrenen Medizinstudenten — Dr. Schnider genannt — meine Meinung gesagt, wenn ich Zeit dazu gehabt hätte. Dummerweise hatte ich an dem Mittwoche, gerade in diesem entscheidenden Augenblick Besuch von zwei Freunden.

So viel erzählten sie mir, dass ich daneben überhaupt keine Zeit mehr für das Angebot von Dr. Der Herr Doktor versuchte ihnen alles bezüglich meines möglichen Ausfluges am Wochenende zu erklären. Meine Eltern stimmten dem vielversprechenden Vorschlag zu. Nur weshalb er eigentlich bei mir war, hatte er nicht noch einmal versucht mir zu erklären. Aber ganz egal, Hauptsache ich konnte am kommenden Wochenende nach Hause gehen.

Irgendwann gingen an diesem Mittwochabend meine Eltern und die netten Freunde wieder nach Hause. Endlich war es dann so weit. Der angekündigte Samstag war gekommen. Nun gut, nicht jeder Mensch wird tagtäglich pünktlich um halb sieben Uhr in der Früh munter. Mein Vater scheinbar nicht. Aber Hauptsache er hatte mich nicht vergessen.

Freiwillig führte mich Papa dann über den ganzen Wiener Innenring. Alle Gebäude kannte ich noch gut, nur mit dem Namen waren wir uns nicht immer einig. Dann ging es hinauf in den zweite Stock. Da ich schon länger nicht mehr zu Hause und mein Kühlschrank entsprechend leer war, nahm ich im Wohnzimmer meiner Eltern Platz.

Endlich konnte ich von Mutti, anstelle von einer Krankenschwester, die ich schon nicht mehr sehen konnte, genüsslich bedient werden. Aber ganz egal damals hatte ich unverständlicherweise ohnehin alles gerne gegessen. Auch Tomaten und Rosinen hätten damals das Essen nicht so verleidet wie früher oder auch heute wieder.

Am Nachmittag nach meinem Mittagsschlaf stand dann die Jause am Programm. Sogar Margit, meine Bregenzer Freundin, die damals gerade in Wien war, besuchte mich. Länge mal Breite hatte ich ihr dann erzählt, wie schlecht es mir im Spital ging und dass ich ohnehin nie mehr dorthin zurückgehen werde. Dann gab es Kuchen und Kaffee. Viel hatten wir geplaudert. Die Zeit war schnell vergangen. Dann musste Margit wieder nach Hause. Weil sie so lieb und nett war, brachten wir sie sogar mit Papas Auto nach Hause.

Als nächste kam ich dann an die Reihe … nämlich wieder ins Spital geführt zu werden. Ja leider es blieb mir nicht erspart. Vielleicht hatte der junge Herr Doktor, der den Ausflug angeboten und dieses Wochenende Dienst hatte, schon auf mich gewartet.

Ich wollte aber auf keinem Fall zurück in das Krankenhaus. Ich war doch nicht krank! Das dachte ich zumindest und keiner, der versucht hatte mir diesen Rückkehrzwang zu erklären, konnte es mir verständlich machen. Aber morgen am Sonntag durfte ich wieder nach Hause. Das war die Ausrede, mit der sich meine Eltern dann verabschiedeten und mir eine gute Nacht wünschten.

Doch nach all den Aufregungen hatte ich sicher nicht recht gut geschlafen. Sonntag, halb sieben Uhr. Spätestens jetzt war ich wieder munter. Papa hatte mich löblicherweise nicht vergessen und mich zeitig in der Früh abgeholt.

Er brachte mich nach Hause, wo ich kaum beim Tisch sitzend anfing zu erklären, wie schlecht behandelt ich mir vorkam. Abgeschoben und herumgeschubst, so wie es die anderen eben wollten, war ich mir vorgekommen. Aber ich war doch kein kleines Kind mehr. Ich war erwachsen und eigentlich gewohnt, das zu tun, was ich wollte. Genau das hatte ich immer wieder meinen Eltern erklärt. So gern hätten sie ihre Tochter, hatten sie immer wieder behauptet.

Trotzdem wurde vieles, was ich wollte, nicht gemacht und manches, was ich überhaupt nicht wollte, doch gemacht. So schlecht behandelt war ich mir vorgekommen, dass ich meinem ärgerlichen Leben ein Ende bereiten wollte. Das schien mir die einzige Lösung zu sein. Zu weinen hatte ich begonnen.

So war ich damals. Jenes weibliche Wesen, das seit seiner Kindheit nicht mehr geweint hatte. Weder körperliche noch seelische Schmerzen hatten mich jemals dazu gebracht. Und jetzt war ich auf einmal umgekippt. Mutti und Papa waren mit mir und meinen Sorgen überfordert.

Um sich selbst wieder etwas erfrischen zu können, durfte ich zu meiner Tante gehen. Sie wohnt im selben Haus, nur einen Stock tiefer. Auch ihr erzählte ich, wie schlecht behandelt ich mir vorkam. Dann bat ich sie, mir endlich die Wahrheit zu sagen, warum ich eigentlich im Krankenhaus war. Sie war doch eine ältere Lehrerin. Die Tante wird nicht lügen, dachte ich. Aber auch sie fing wieder mit meinem Unfall an. Ich unterbrach sie gleich nach ein paar Sätzen und wollte darüber nichts hören.

Noch jemand, der mir nicht die Wahrheit sagte, dachte ich. Nachdem ich dann bei der Tante am Balkon frische Luft schnappen konnte, ging es mir wieder besser. Auch meine Eltern fühlten sich bald wieder wohler. Dann holten sie mich ab und beschlossen, mit mir einen Ausflug zu meinem Pferd in Pressbaum zu machen. Endlich konnte mich mein liebes Pferd namens Trocadero wieder sehen. Es wird sich freuen und nach mir wiehern, weil es mich schon so lange vermisst hatte.

So redete ich es mir zumindest ein. Troci, so hatte ich Trocadero immer genannt, hatte die Karotten und Äpfel, die ich mitbrachte sehr gern.

Nur deshalb hatte er mir jedes Mal entgegengewiehert. Daran hatte ich damals nicht gedacht. Endlich im Stall angekommen, wartete ich gar nicht bis Papa sein Auto eingeparkt hatte. Ich sprang gleich aus dem Auto und ging zu meinem lieben Troci. Er war doch noch lieb oder? Kaum stand ich vor seiner Box, vermisste ich schon sein Brummeln, so tief hatte er immer gewiehert. Dann machte ich die Tür seiner Box auf und ging hinein. Dabei erzählte ich ihm wie froh ich war, dass ich ihn endlich wieder sehen konnte.

Und was machte Troci? Er stand immer noch im selben Eck von seiner Box und sah mit stummschweigend an. Besser gesagt verärgert war ich. Ich klopfte ihm noch einmal auf den Hals, drehte mich um und ging aus seiner Box heraus.

So sehr ging ich meinem Pferd gar nicht ab. Also beschloss ich wieder zu gehen, denn wenn ich dem Pferd egal war, dann war auch mir das Pferd egal. Länger als zwei bis drei Minuten hatte ich für meinen Pferdebesuch nicht gebraucht. Papa war gerade fertig mit dem Einparken und in den Stall gekommen, als ich die Boxentüre zudrückte und meinte, wir können wieder nach Hause fahren.

Da sich meine Eltern bei Pferden überhaupt nicht auskannten, mussten sie mir hilflos zustimmen und wir fuhren wieder los. Nach dem Mittagessen begann ich wieder schlecht gelaunt zu reden. Um mich ein wenig abzulenken, wurden Barbara und Birgit eingeladen. Meine zwei Cousinen hatten mich seit dem Unfall schon ein paar Mal im Spital besucht. Sogar gespielt hatten wir. Zuerst kam das witzige Schweinderlwürfeln an die Reihe. Dabei muss man zählen, wieviel die gewürfelten Schweinchenfiguren, je nach ihrer Lage, wert sind.

Der Grund dafür war die Tatsache, dass ich pausenlos über Papa schimpfte. Ich wusste schon, dass er mich wieder ins Spital bringen wollte. Wenn er aber nicht zu Hause war, dann konnte er mich nicht ins Krankenhaus bringen. Froh und gut gelaunt war ich. Leider oder glücklicherweise war mein Gehirn noch nicht in der Lage alles zu verstehen.

Das Gefährt war aber nicht nur ihr zuliebe mitgebracht worden, um ihr den Anmarsch zu erleichtern. Nein, für mich war es mitgekommen, um mich in das Spital zu bringen. Sicher hatte ich die ganze Fahrt geschimpft. Sogar auf dem ganzen Weg bis zu meinem Zimmer im Stock verlor ich kein freundliches Wort.

Kaum im Zimmer angekommen, schmiss ich die Türe zu. Niemanden wollte ich mehr sehen. So gingen die zwei Ausflugstage zu Ende. Flucht aus der ungeliebten Heimat Ich wollte den Ärger verdrängen.

Für mich gab es dafür nur eine Lösung: Flucht vor den Ärzten — Flucht aus dem Spital. So wie immer war ich auch an jenem Montag nach dem erschreckenden Wochenende um halb sieben Uhr in der Früh munter geworden. Gewöhnlich wird um diese Zeit Fieber gemessen, dann wäscht man sich und wartet auf das Frühstück. Meist sprach ich in dieser Zeit mit der Hilfsschwester, die in der Küche arbeitete und erklärte ihr, wie sie das Essen zubereiten sollte. An diesem Montag war ich gegangen.

Ich zog mich an, packte meine Sachen zusammen, verabschiedete mich von den beiden Zimmerkolleginnen und verschwand. Mit zwei Sackerln ging ich zum Lift. Ich stieg ein und drückte auf den Fünfer. So gut kannte ich mich in diesem Monsterspital schon aus, dass ich wusste, auf Ebene Fünf ist der Ausgang. Mit dem Lift dort angekommen, stieg ich aus und ging in Richtung Haupteingang, der gleichzeitig auch der Hauptausgang ist.

Diese Strecke kannte ich schon sehr gut. Am Wochenende zu Papas Auto musste wir auch so gegangen sein. Ich brauchte schon eine Weile bis ich bei der selengesteuerten Ausgangstüre beim Hauptausgang war.

Das Tor ging auf. Dann stand ich am Taxi-Standplatz und setzte mich gleich in den ersten Wagen. Als ich gerade anfing dem Fahrer meine Adresse zu sagen, riss jemand die Autotüre auf. Zwei Krankenschwestern von der Station 14K hatten gerade noch das Taxi, mit dem ich fliehen wollte, erreicht.

In ein paar Worten erklärten sie dem Fahrer, dass er mich nicht mitnehmen dürfte. Dann zogen sie mich aus dem Fahrzeug heraus, setzten mich in einen Rollstuhl und schoben mich wieder zurück. All meine Erklärungen weshalb ich ins Taxi gestiegen war und warum ich es dort oben in meinem Zimmer nicht mehr aushalten konnte, nützten nichts.

Sie brachten mich trotz meines Widerstandes zurück. Aber nicht zurück in mein Zimmer, wahrscheinlich hatten sie Angst, dass ich noch einen Fluchtversuch wagen würde. Sicherheitshalber wurde ich in den Schwesternstützpunkt gesetzt. Etliche Mappen und Ordner standen in den Regalen. Auch einen Computer gab es. Es hätte mich eigentlich an meine Arbeitsstätte erinnern können. Aber daran konnte ich jetzt gar nicht denken. Viel mehr war ich mit dem Schimpfen beschäftigt und jedem, der vorbei kam, erzählte ich wie schlecht es einem in diesem Krankenhaus ginge.

Leider hatte ich keine Ahnung, was die Ärzte im Zimmer nebenan besprachen. Endlich kam ein Arzt aus dem Zimmer und bot mir an, bei mir daheim anzurufen. Meine Eltern könnten mich abholen. Hatte ich richtig gehört? Ich durfte jetzt in der Früh meine Eltern telefonisch aufwecken und ihnen sagen, dass sie mich nach Hause bringen dürften. Um diesen netten Vorschlag brauchte man mich nicht zweimal bitten. War das eine Erleichterung für mich, endlich wieder ein normales Leben daheim führen zu können.

Wenn meine Eltern nur nicht so lange gebraucht hätten! Jede Minute kam mir wie eine Stunde vor. Dann kamen sie endlich den Gang entlang. Ich gab ihnen gleich meine zwei Sackerln.

Aber ganz egal, Hauptsache der Lift kam und brachte uns hinunter. Leider gingen wir nicht gleich zum Auto. Mutti musste mich noch irgendwie ablenken. Papa wollte bei seiner Arbeitsstätte anrufen. Wieder musste ich im AKH-Eingangssaal sitzen und warten. Gerade dort, wo ich doch keine Sekunde länger bleiben wollte.

Nach endloser Zeit, wahrscheinlich nach einer halben Stunde konnte ich bequem in Papas Auto Platz nehmen und wurde endlich nach Hause geführt. Endlich wieder daheim Lange genug habe ich geschildert, was sich während meines stationären Aufenthaltes im AKH alles ereignete. Eines Tages hatte der Aufenthalt endlich ein Ende gefunden. Leider hatte man mich vor meiner Entlassung noch für diverse Untersuchungen und Therapien eingeteilt. So war mein letzter Tag im Spital nur mein letzter Tag im Spitalsbett.

Als Patientin wurde ich immer noch gerne gesehen. So war zum Beispiel die Ambulanz der Universitätsklinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie an mir weiterhin interessiert. Ärzte diskutierten dann über die Schraubenlage und drückten ein wenig auf der Stirn herum. Wer will schon freiwillig eine zusätzliche Operationsnarbe im Gesicht? Mit der Vereinbarung des nächsten Kontrolltermins in einem halben Jahr, der nicht der letzte Termin sein würde, verabschiedeten sich die Ärzte von mir.

Zu guter Letzt bekam ich noch den Hinweis, nachzudenken, ob ich die Schrauben nicht doch lieber entfernt haben würde. September im AKH von Dr. Clemens Klug entfernt werden musste, da durch weiteres Wachstum das rechte Auge aus der Höhle gedrückt worden wäre. Soweit sollte und wollte ich es freilich doch nicht kommen lassen. Auch die Augenärzte wollten mich mindestens einmal pro Monat sehen, um zu messen, wie sehr die Sehkraft und vor allem das Gesichtsfeld meiner Augen zugenommen hatte. Meist wurden mir Tropfen verschrieben, die meine Augen ölen sollten.

Nach zwei Monaten war das Fläschchen leer geworden und wurde nicht mehr erneuert, weil dies überhaupt keinen Erfolg gebracht hatte. Ebenso erfolglos verlief eine Schieltherapie.

Zu meinen Augenproblemen gehört noch ein zusätzliches. Ein Jahr nach dem Unfall wurde bei einer Kur im Salzburger Land von einem Arzt auch festgestellt, wie schlecht meine Augen sehen konnten. Dreimal bekam ich verschiedene Übungsbrillen zum Testen in das Kurheim. Ein paar Tage konnte ich mich mit intelligentem Aussehen im Kurort zur Schau stellen. Dann musste ich wieder zurück nach Wien.

Die Augenambulanz im AKH wollte mich gleich wiedersehen. Gleich wurden die Augen begutachtet und getestet. Also musste ich ohne Brillen bleiben. Leider wird die Sehkraft meiner Augen schlecht bleiben und sich kaum mehr verändern. Die vielen Therapieversuche brachten keinen Erfolg. Wenigstens sind meine Augen seit dem Unfall nicht schlechter geworden. Eine Brille werde ich wohl erst in zehn bis zwanzig Jahren vielleicht aus Altersgründen brauchen. Bereits seit brauche ich nun doch eine Sehbrille, die auch den Schieleffekt durch Prisma für besseres Sehen in der Nähe ausgleicht und dadurch mein Leseproblem um Vieles erleichtert.

Übung macht den Meister! Eine Abteilung, die mehr Erfolg hatte, dafür aber um einiges länger brauchte, war die Neurologie. Dazu wird man in eine Röhre geschoben.

Darin muss man gut 45 Minuten ganz ruhig liegen. Vor einiger Zeit, als ich noch zu den ins Spital eingesperrten Patienten gehörte, konnte diese MRT-Untersuchung nicht durchgeführt werden. Ich hatte überhaupt kein Verständnis dafür, ruhig zu liegen und mich wie ein Mannequin herumschieben zu lassen. Schnider, der sich so oft für mich eingesetzt hatte, war in der Lage mir einzureden, wie wichtig diese Untersuchung wäre.

Also gab man sich geschlagen und schob mich damals ohne Erfolg zurück in mein Zimmer. Nach der Entlassung konnte diese Untersuchung dann durchgeführt werden. Irgendwie begann ich damals die Notwendigkeit dieser Untersuchung zu begreifen. Sie stellte mir viele Fragen und plauderte gerne über Dinge, die mir persönlich wichtig schienen. Ich glaubte, dass sie auf diese Art versucht hatte, die früheren Erinnerungen in mein vergessliches Gedächtnis wieder zurückzurufen.

Vor oder nach unserer intensiven Frage-und-Antwort-Phase schickte mich diese gesprächige Therapeutin in ein Computerzimmer. Dort wurde ich vor viele verschiedene Bildschirmgeräte gesetzt und getestet, wieviel mein Gehirn schon leisten konnte.

Als sie sich dann gut auskannte, wurde ich jahrelang! So erfolgreich ist die Betreuung einer Psychologin und ich war sehr froh, dass mir diese Behandlung gratis zur Verfügung gestellt wurde. Nur Geisteskranke brauchen eine Hilfe dieser Art, so dachte ich davor. Das stimmt aber gar nicht. Jeder Mensch kann einmal in die Lage kommen, in der eine psychologische Unterstützung notwendig wird. Im Wesentlichen sollte meine geistige Fähigkeit trainiert, sowie Konzentration und Aufmerksamkeit gehoben werden.

Nach gut zwei Jahren war die neuropsychologische Rehabilitation noch nicht am Ende angelangt und hatte sicher noch länger gedauern.

Ebenso langwierig war meine ergo-therapeutische Behandlung. Ergänzend zur neuropsychologischen Rehabilitation werden im Rahmen der Ergo-Therapie Fertigkeiten des täglichen Lebens geübt. Wenn eine Therapie lange dauert, fällt es schwer, jedes Mal einen Fortschritt zu erkennen. In der Summe betrachtet, war aber nicht zu übersehen, dass ich immer besser und schneller wurde.

Bald hatte ich sogar den Ehrgeiz, mich so zu steigern, dass ich bei einem Test die Therapeutin schlagen könnte. Bis jetzt war ich aber noch nicht so weit.

Und bevor es womöglich wirklich so weit gekommen wäre, fand die Ergo-Therapie ein Ende. Viel Zeit wandten die Therapeutin und Psychologin für mich auf. Aber es gab noch viel mehr Menschen, die sich um mich kümmerten. Allen voran standen meine Eltern auf der Betreuerliste. Eigentlich wollte ich nach dem Spital sofort wieder in meine gemütliche Wohnung ziehen.

Viel zu ängstlich und besorgt waren allerdings meine Eltern. Papa wurde in der Zwischenzeit zum Übernachten in meine Wohnung umgesiedelt. Eine Woche danach wollte ich selbstständiger werden. Ich wusste schon, dass ich eine eigene Wohnung und ein eigenes Bett hatte. Dort wollte ich wieder hin. Ich war doch schon alt genug, um selbstständig leben zu können. Endlich war es so weit, alleine im eigenen Bett, innerhalb der eigenen vier Wände hatte ich zum ersten Mal nach lange Zeit ausgezeichnet geschlafen.

Lange blieb ich im Bett liegen, obwohl ich eigentlich eine Frühaufsteherin geworden war. Niemand störte meine Ruhe, keine Mitpatienten, keine Krankenschwester, die mich zur Tabletteneinnahme, Morgentoilette oder zum Fiebermessen zwang.

Beruhigt konnte ich mich zur Seite drehen, keine fremden Stimmen, keine Pflichten und frühmorgendliche Untersuchungen beeinträchtigten mein Wohlbefinden. Mit dem neuerlichen Einzug in meine eigene Wohnung, muss ich gestehen, war allerdings vorerst nur das Schlafen im eigenen Bett verbunden. Schmutzige Wäsche landete in Muttis Wäschekisten. Wer so schlecht sieht wie ich, kann sich nicht selbstständig versorgen!? Lange Zeit waren mir viele Sachen streng verboten.

Zum Beispiel durfte ich nicht alleine aus dem Haus gehen. Bald hatte ich mich an meinen Gesichtsfeldausfall gewöhnt. Ich war mir ganz sicher, dass ich genau auf den Verkehr achten konnte, jedoch dauerte es noch lange, bis ich auch dieses Problem in den Griff bekam. Viel zu viel Angst hatte vor allem meine Mutti, dass ich wieder Opfer eines Unfalls werden würde.

Als ich mit meinem Bruder Peter einmal ein paar Tage allein in Wien geblieben war, bot ich ihm an, morgens für das Frühstück ein paar frische Kipferln und Semmeln kaufen zu gehen. Natürlich würde ich aufpassen, stimmte ich ihm zu. Am nächsten Morgen war ich zum ersten Mal wieder alleine. Ein glorreiches Gefühl war das: Um die Weihnachtszeit, sechs Monate nach dem Unfall, wurde ich wieder selbstständige Frühstücksköchin. Genau genommen es war am 2. Jänner , jenem Tag, an dem Peter wieder in seine Heimat nach Passau fuhr.

Beim Frühstück war für mich kein Tratschkollege mehr da, also konnte ich durchaus auch in meiner eigenen Wohnung alleine beim Essen sitzen.

Die Kaffeemaschine konnte ich schon bedienen. Und es funktionierte tatsächlich. In Zukunft fand das Frühstück wieder in meiner Wohnung statt. Schon alleine deshalb, weil mir so das Kochproblem erspart blieb. Erst nachdem ich bereits 15 Kilo zugenommen hatte, weigerte ich mich, die hervorragende Kost meiner Mutter in mich hinein zu schlemmern. Viel lieber blieb ich hungrig vor dem Fernseher sitzen, als noch ein paar Deka mehr auf die Waage zu bringen. Die Kochprobleme betreffend muss ich gestehen, dass ich tatsächlich eine schlechte Köchin geworden war.

Es war wirklich unverständlich warum und wieso man so etwas verlernen konnte. Die Tatsache war, dass ich mich an viele Handgriffe nicht erinnerte, mit einem Blick auf das Rezept nicht gleich feststellen konnte, wie die Lebensmittel zusammengemischt gehörten.

In erster Linie verwendete ich nie alle vorgeschriebenen Zutaten. Da gab es einen Salzstreuer im Kasten, der dort schon halb verstaubt war, weil er von mir so gut wie nie benutzt wurde. So zum Beispiel Knödel in einen Topf kochenden Wassers zu geben.

Stattdessen wurden die gerollten Teigkugeln gleich zum Überbacken in das Backrohr geschoben. Ein anderes Kapital mit genauso strittigen Fragen war die Pediküre. Leider sah ich so schlecht, dass ich diese Art der Pflege nicht mehr alleine machen konnte. So war meine Mutti wieder meine Nagelpflegerin geworden.

Oft gab es Meinungsverschiedenheiten über gewünschte Nagellänge und Art der Pediküre. Wie lange dürfen Nägel an den Fingern und Zehen werden? Zum Beispiel Nägel feilen. Nur weil es Mutti selbst gerne machte, musste ich mir das noch lange nicht gefallen lassen. Heute verwende ich einen Nagelknipser. Noch lange Zeit fehlten mir die passenden Wörter. Ich war mir ganz sicher, dass ich es wissen müsste. Leider trat es oft nicht in den Vordergrund meines Gedächtnisses.

Alle Freunde und Bekannten motivierten mich, das passende Wort ohne Mithilfe einzusetzen. Aber wer muss normalerweise beim Reden nachdenken? Nein, ganz alleine musste ich mich darum kümmern und kritisch, wie ich schon immer war, passierte es oft, dass ich sehr traurig wurde und meinem sinnvollen Leben lieber ein Ende bereiten wollte. Leider braucht das Gehirn nach einem Unfall viel länger Zeit als der Körper, um wieder gesund zu werden. So war es auch bei mir. Meinem Körper war nicht viel anzusehen, aber wie sollte jemand bei meinem Anblick erkennen, ob der Kopf schon wieder ganz in Ordnung sei oder nicht.

Ich war in der letzten Zeit viel ehrlicher geworden. Genauso wie die Ärzte fragte ich jeden anderen Gesprächspartner, den ich nicht gleich verstand, was er oder sie eigentlich gemeint hätte.

Die Reaktionen auf meine erstaunlichen Fragen waren oft sehr unterschiedlich. Manche begannen das Ganze noch einmal mit einfacheren Wörtern langsam zu erklären.

So wie man gewöhnlich einem nicht deutsch sprechenden Ausländer etwas begreiflich machen wollte. Andere redeten im gleichen Stil weiter, wiederholten vielleicht teilweise den Inhalt und stellten nach jedem zweiten oder dritten Satz ihrerseits die Frage: Die normalen Sachen, wie essen, trinken oder auf das Klo gehen, hatte ich rasch wieder gelernt.

Wie sah es aber mit der sogenannten höheren Hirnleistung aus? Nicht nur meine Leistungsfähigkeit war stark gesunken. Hinzu kam, dass viel Wissen verstaubt war.

So zum Beispiel mit der Liebe und dem Sex. Einige Jahre früher musste ich das schon einmal erfahren haben, das glaubte ich zu wissen. Ohne Rücksicht auf dieses intime Thema erzählte ich jedem, dem ich begegnete, was mir über meine Liebesgeschichte eingefallen war und wie ich mir das ganze diesbezügliche Geschehen vorstellte … Heute will ich Ihnen das aber nicht mehr ganz ausführlich schildern.

Das ist ein privates Thema, das vielleicht meine beste Freundin von mir erfahren kann. Pferde, meine besten Freunde Wie ich vorhin schon einmal erwähnt hatte, waren Pferde meine liebsten Tiere. Ich hatte ja sogar ein eigenes. Aufgrund meiner Beziehung zu Pferden war mir auch der Reitsport wichtig. Schon im Alter von sieben Jahren hatte ich meine erste Reitstunde. Ein Jahr später lernte ich bei einem Kurs in den Sommerferien reiten. Von da an bettelte ich meinen Papa so lange an, bis er sich entschied, mich jedes Wochenende in einem Reitstall in der Nähe von Wien zu bringen.

In den verschiedenen Reitställen und mit den unterschiedlichsten Pferden kam ich jahrelang meinem Lieblingshobby nach. Als ich dann so um die zwanzig Jahre alt wurde, machte ich die Voltigiertrainer-Prüfung.

Um das Kindern beibringen zu können, muss man einen Kurs bei einem staatlich geprüften Trainer ablegen, wobei man demonstriert, wie gut man Kindern solche Übungen beibringen kann. Danach ist man dann berechtigt, eine eigene Voltigiergruppe aufzubauen. So baute auch ich eine Voltigiergruppe mit Kindern auf.

Nicht nur die Kinder, auch die Pferde wurden immer besser. Bald wussten die Tiere, wie ruhig sie im Kreis galoppieren müssen, damit die Kinder nicht herunterfielen. Eines dieser Pferde war auch mein Troci. Auch er war ein begeisterter Trainer. Im Laufe der Zeit bildeten wir nicht nur ein funktionierendes Trainerpaar, sondern waren auch privat ein Pärchen. Die Voltigiergruppe wurde immer besser.

Meine Beziehung zu Fritz ging leider wieder auseinander. Trotzdem setzen wir uns gemeinsam für die begeistert am Pferd turnenden Kinder ein. Sogar für die Staatsmeisterschaft war das Niveau meiner Gruppe bereits gut genug. Nur so viel hatte ich von zwei meiner besten Freundinnen erfahren: Meinen Eltern hatte ich damals nie viel über meine Arbeit und meine Hobbies erzählt. Sie wussten nur, dass meine Beziehung zu Fritz zu Ende war.

Doch sie dachten, dass er noch immer mein Co-Trainer war. Also rief Mutti schwer erschüttert am Tag nach meinem Unfall bei Fritz an und fragte ihn, ob er das Training alleine weitermachen könnte. Was wird sich Fritz, der eigentlich bereits gekündigte Trainer dabei gedacht haben? Jedenfalls kümmerte er sich seit diesem Tag alleine um die Voltigiergruppe. Als ich aus dem Spital entlassen wurde, teilten mir die Ärzte mit: Reiten sei nun streng verboten!

Das stimmte mich traurig. Wenigstens einmal wollte ich mich kurz auf meinen Troci setzen. Nur ein paar Runden im langsamen Schritt reiten. Das hätte mein Gehirn doch sicher ausgehalten. Fritz hatte es mir aber verboten. Hatten ihm die Ärzte mitgeteilt, dass ich mich ja nicht auf ein Pferd setzen dürfte?

Wahrscheinlich aber hatte es Fritz aus Vorsicht von sich aus nicht erlaubt, mich von Troci herumtragen zu lassen. Das fand ich wirklich sehr schade. Zu gerne wollte ich wissen, wie gut ich nach so einer langen Pause noch reiten konnte und wie gut das Pferd meine Kommandos verstehen würde. Während Seitengänge oder Galoppwechsel mit meinem Troci noch möglich gewesen? Aber durch das Reitverbot konnte ich es nicht mehr herausfinden. Leider hatte ich Schwierigkeiten als Trainerin weiterzuarbeiten. Besonders meine Augen und meine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit machten mir zu schaffen.

Mehrere Dinge gleichzeitig zu beobachten beziehungsweise auszubessern, wie zum Beispiel Kopf-, Körper-, Bein- und Zehenhaltung bei den auf dem Pferd turnenden Kindern, war ausgesprochen schwierig.

So versuchte ich das Pferd zu longieren. Fritz musste nicht mehr auf das Pferd achten und konnte konzentriert die aktiven Voltigierer ausbessern. Doch leider wurde mir dabei meistens schwindelig und konnte auch die Peitsche in meiner geschwächten rechten Hand nicht mehr halten. Also war ich auch dazu nicht zu gebrauchen. Reiten wurde mir ein Jahr nach dem Unfall noch immer verboten. Vor allem die Gefahren und Folgen eines Sturzes wurden mir ausführlich geschildert: Aber wozu sollte ich überhaupt noch reiten gehen?

Ich hatte die Freude daran verloren. Troci war auch ohne meine Hilfe ein braves Voltigierpferd geblieben. Deshalb musste sich die Gruppe bald ein neues Pferd besorgen und Trodi an einen Freizeitreiter verkaufen. Ab und zu fragte ich aus Gewohnheit meine Ärzte, ob ich nun endlich wieder reiten dürfte oder nicht.

Mein Pferd wurde mir zunehmen egal und ich beschloss, es zu verkaufen. Wieviel mein Troci damals noch wert war, wusste ich nicht. So intensiv wollte ich mich auch gar nicht um den Verkauf kümmern. Deshalb bot ich es der Voltigiergruppe an, die mir auch schon ganz egal geworden war und siehe da, Fritz war in der Lage das Geld aufzutreiben.

Nun bin ich nicht mehr im Besitz eines braven Reitpferdes. Auch die Voltigiergruppe ist nicht mehr unter meiner Leitung und erstaunlicherweise geht mir nicht ab. Früher hätte ich mir nie gedacht, dass ich den Reit- und Voltigiertrainersport jemals aufgeben würde. So ein schwerer Autounfall, der ein bisschen am Gehirn drückt, kann sehr viel an einem Leben verändern.

Mit meinem Metall im Kopf könnte ein Sturz vom Pferd sehr leicht tödlich enden! Auch als ich schon älter war und den Sommerurlaub bereits alleine verbrachte, fuhr ich noch ab und zu nach Braunau.

Der Kontakt zur Brauner Verwandtschaft blieb eigentlich immer erhalten. Meine Mutter und die Braunauer Tante Erika waren Schwestern und da die beiden Frauen gerne plauderten, erfuhr diese Verwandtschaft umgehend von meinem Unfall.

Alle hatten Mitleid mit mir und wurden telefonisch über meinen Gesundheitszustand auf dem Laufenden gehalten. Eine Fahrt zu den netten Verwandten nach Braunau fanden sie sehr passend. Auch die Ärzte konnten von der Notwendigkeit dieses Ausfluges überzeugt werden. Also meldete uns Mutti bei ihrer Schwester in Braunau an.

Also brauchten wir nur mehr zu kommen. Damals war mir noch nicht klar, dass ich einen Autounfall gehabt hatte und deshalb so lange im Krankenhaus gelegen war. Irgendwie dachte ich, dass man mir etwas verheimlichte, dass man mir den wahren Grund meines Zustandes verschwieg. Ich dachte, in Braunau gibt es meinen ehrlichen Onkel.

Er würde mir sicher die Wahrheit sagen und nicht so wie alle anderen irgendeine Geschichte erzählen. Als erster Mensch wird er mir verraten, was damals am Juni wirklich passiert war, so dachte ich mir. In Braunau angekommen, konnte ich endlich frische Luft schnappen. Wie angenehm, keine klimatisierten Räume wie im AKH.

So eine dumme Frage dachte ich mir. Wie kann man denn jemanden im Urlaub fragen, wie es ihm geht? Aber man ist nicht unhöflich, also antwortete ich damit, dass es mir sehr gut ginge. Dankend reagierte ich und fragte mich selbst, wie hässlich ich wohl früher ausgesehen haben müsste.

Er lächelte und küsste mich. War er denn jemals zuvor schon so entgegenkommend gewesen? Und dann, ohne dass ich ihn fragte, fing er an über meinen Unfall zu reden. Was war denn das?

Der Onkel, der doch gewöhnlich immer nur über Tatsachen sprach, fing auf einmal selbst an von einem — genauer gesagt, von meinem Autounfall zu reden. Wie denn das wirklich passiert sei und was der Rechtsanwalt schon in die Wege geleitet hätte, wollte er wissen. Also gibt es denn so etwas?

Wenn sogar der Onkel von meinem zerquetschten Auto sprach, dann musste wohl etwas davon stimmen. Nach ein paar Minuten oder Stunden war ich dann so weit. Ich zweifelte nicht mehr an den vielen Aussagen. Ja es stimmte, ich hatte wirklich einen schweren Autounfall gehabt.

Noch etwas Besonderes war in Braunau passiert. Seit meinem Autounfall stand immer ich im Mittelpunkt.

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