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Es spannt einen weiten thematischen Bogen: Dann bekommt das Kandidatenteam die Chance, diese Frage zu beantworten.

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Mit ihm fühlt er sich, wenn er unter Menschen ist, erstmals wie ihresgleichen und erkennt damit ihre Manipulierbarkeit. Heimlich verlässt er Montpellier und begibt sich auf kürzestem Weg nach Grasse. Die Spur des Marquis de la Taillade-Espinasse hingegen, der versucht, die Richtigkeit seiner These noch eindrucksvoller an sich selbst zu beweisen, verliert sich in den Höhen der Pyrenäen. Auf seinem ersten Erkundungsgang in Grasse macht Grenouille eine geruchliche Entdeckung, die seinen inneren Kompass auf ein festes Ziel ausrichtet.

Was er wahrnimmt, ist der erregende Duft eines Mädchens. Ihm gegenüber, Herrn Arnulfis Nachfolger in spe, taktiert Grenouille höchst geschickt: Grenouille verschafft sich dadurch die Freiheit, die er sich wünscht — z. So wird er zum Serienmörder. Es fehlt nicht nur jede Spur vom Täter, sondern auch ein plausibles Motiv. Die Opfer sind allesamt zu Frauen heranreifende junge Mädchen von ausgesuchter Schönheit, doch ein Sexualdelikt liegt offensichtlich nicht vor.

Mord und einem öffentlichen bischöflichen Fluch auf den unbekannten Täter scheint der monatelange Spuk plötzlich vorüber. Als Richis das erahnt, handelt er sofort. Unter Vortäuschung eines anderen Fluchtwegs plant er, Laure auf einer Insel in einem wehrhaften Kloster in Sicherheit zu bringen und schnellstmöglich zu verheiraten.

Grenouilles feine Nase jedoch nimmt ihre Witterung auf, er folgt ihnen in den abgelegenen Gasthof, in dem sie unterwegs übernachten, tötet Laure im Schlaf und bemächtigt sich auch ihres Duftes. Sein Meisterparfum ist damit vollendet. Diesmal allerdings hat er Spuren hinterlassen, die eindeutig zu ihm führen. Zwei Tage später soll er hingerichtet werden. Doch das erwartete Spektakel nimmt eine andere Richtung. Der Duft eines einzigen Tropfens von seinem Meisterparfum genügt, um die Menge ihm vollkommen hörig zu machen.

Er fällt in Ohnmacht und kommt im Bett der Laure Richis wieder zu sich. Selbst ihr Vater ist also der Massenhypnose erlegen. Nun will er Grenouille sogar als seinen Sohn adoptieren.

Dieser heuchelt Zustimmung, stiehlt sich heimlich davon und verlässt Grasse unerkannt. Der Fall des Mädchenmörders wird abgeschlossen, indem man anstelle von Grenouille, dessen Verurteilung aufgehoben wurde, Dominique Druot beschuldigt und nach einem durch Folter erwirkten Geständnis hinrichtet. Grenouille, ernüchtert und desillusioniert, wandert zurück an den Ausgangspunkt seines Lebens: Sie reagieren so, wie von ihm vorausgesehen.

Von seiner vermeintlich engelhaften Schönheit verzückt, begehren sie ihn mit kannibalischer Gier, und in kürzester Zeit wird Grenouille von ihnen zerrissen und vollständig verspeist. Weder die Teile noch die Kapitel tragen eine Überschrift.

Der letzte Teil besteht aus nur einem, dem letzten Kapitel, was ihn schon formal von den anderen abhebt. Die Auffassungen der Interpreten, welche Funktion ihm zukommt, weichen nur geringfügig voneinander ab. Er hält die mit Grenouilles Abschied vom Plomb du Cantal entstehende Zäsur für stärker als die nach seinem Weggang aus Montpellier und rechnet daher die dazwischen liegenden Kapitel dem dritten Teil zu.

Zwei Aspekte rücken in den Blick, wenn Interpreten vor allem die frühen diverse Charakteristika der Erzählweise des Parfum benennen: Süskind hat diese Welt intensiv studiert. Der Erzählfluss, und damit auch das Lesetempo, werden nicht unwesentlich dadurch bestimmt, dass Süskind ein versierter Drehbuchschreiber war, noch bevor Das Parfum erschien. Der auktoriale Erzähler des Parfum ist von der ersten Seite an präsent. Die Überzeugungskraft des Duftes ist nicht abzuwehren, sie geht in uns hinein wie die Atemluft in die Lungen, sie erfüllt uns, füllt uns vollkommen aus, es gibt kein Mittel gegen sie.

Süskinds Erzähler moderiert nicht nur, er kommentiert, wertet und ironisiert. Davon bleibt keine handelnde Figur ausgenommen. An anderer Stelle hingegen, bei seinem ersten Mord, entlastet ihn der Erzähler gleich mehrfach: Vergleiche gehören auch zu den wichtigsten Stilmitteln des Romans, was umso mehr gilt, wenn man deren verkürzte Form, die Metapher , hinzuzählt. Kurz darauf bündelt er in einem Satz zwei Vergleiche, die noch dazu antithetisch angelegt sind: Es stand eine wahre Ballnacht der Düfte bevor mit einem gigantischen Brillantduftfeuerwerk.

Grenouille ist eine monomanische Figur. Die ihn beherrschende Manie ist bedingt durch sein Genie; sein Genie wiederum ist seinem Wesen nach manisch. Es scheint, als habe sein von Geburt an übermächtiger Geruchssinn die Entwicklung aller anderen Sinne behindert, ja überflüssig gemacht. Dies ist einer der Indikatoren, die dafür sprechen, dass Grenouilles Verhalten autistische Züge trägt.

Christina Bühler geht auf diesen Aspekt ausführlich ein. Unter Einbeziehung entsprechender Textpassagen aus dem Roman z. Man kann in Grenouille so gegensätzliche Züge entdecken wie animalische, göttliche und teuflische.

Grenouilles Leben vollzieht sich in einer Kreisbewegung, Anfangs- und Endpunkt fallen in eins, er kehrt zurück im doppelten Sinne. Zur animalischen Brutalität des Vorgangs steht das nur scheinbar in Widerspruch. Die Menschen, die sich um den Protagonisten gruppieren, sind Nebenfiguren im eigentlichen Wortsinn.

Die Frauen sind leicht in zwei Gruppen zu unterteilen. Tatsächlich ist ihr Handikap — das einzig geeignete, Grenouille am Leben zu erhalten — zugleich auch das, das sie offenbar nicht hat zur Frau werden lassen: Sie kann nicht riechen, also kann sie auch nicht lieben.

Die zweite Gruppe der Frauen sind die von Grenouille getöteten Mädchen. Die Gruppierungen, die die Männer bilden, sind um einiges vielgestaltiger. Eine davon ist die der Männer, die die Rolle eines Ersatzvaters für Grenouille übernehmen könnten der leibliche Vater wird vom Erzähler nicht einmal erwähnt. Zwei Männern stellt sich diese Frage explizit. Allerdings zeigt sich, dass Grenouille weder danach sucht noch sie sich dafür eignen würden: Grimal ist brutal, Baldini engherzig und geizig.

Beide verbindet wiederum mit zwei anderen Männern, Taillade-Espinasse und Druot, ein weiteres Gruppierungsmerkmal: Drei Männer sind es, die aufgeklärte Positionen vertreten: Ihre Motive allerdings sind völlig verschieden. Schon das Cover verspricht einen spannungsvollen Gegensatz: Dieses Kontrastprinzip setzt sich im Text fort, schon im allerersten Satz.

Weitere solcher antithetischen, oft paradox wirkenden Momente folgen diesem ersten nach und beziehen sich zumeist auch auf die Hauptfigur. Darunter sind nicht wenige konzeptionell wesenhafte Attribute Grenouilles, so wie diese: Matzkowski verweist auf zahlreiche weitere Paradoxa, die sich auch vorwiegend auf Grenouille beziehen, unter anderem die, die seinen Aufenthalt auf dem Plomb du Cantal betreffen: Auch andere Figuren, wie zum Beispiel Richis, werden paradox gestaltet.

Hinzu kommt, dass es später mit Richis ausgerechnet der Vater des Opfers ist, der sich dem Mörder als Ersatzvater anbietet, und dass ausgerechnet er, der bis dahin als einziger den Verstand zu behalten schien, ihn am gründlichsten verliert.

Bei den weiblichen Figuren liegt dies wiederum offener zutage als bei den männlichen. Ein anderer hat meine Blume abgerupft und ihren Duft an sich gebracht! Grenouille usurpiert alle Macht für sich, vom Handeln bis hin zur Wahrnehmung. Was er den anderen, den gewöhnlichen Menschen voraus hat, ist, dass er die Schönheit der Mädchen mit seiner Nase präziser und frühzeitiger erfasst als jene mit ihren Augen.

Der aussichtsreichste — oder auch einzige — Weg, diese zu befriedigen, führt ihn über sein Genie. Es inspiriert die Liebe. Dass sie ihm, dem lebenslang Ungeliebten, gilt, beschert ihm den Rausch des Triumphs.

Was er allerdings nicht voraussieht, ist das Gefühl danach: Aber auch diese Gefühle werden nicht erwidert. Das wirft ihn zurück an den Punkt seines Aufbruchs vom Plomb du Cantal. Sie besiegelt die Vergeblichkeit all seiner Versuche sich menschlichen Wesen durch die Kunst zu nähern. Eine der Botschaften, die der Erzähler dem Leser in den ersten Sätzen des Romans vermittelt, ist die: Es zeigt sich in Figuren wie auch in Dingen, allen voran in dem als Dingsymbol fungierenden Parfum selbst.

Bei den Nebenfiguren ist es zunächst ein erzählerisches Prinzip. In dem Moment, in dem sie für das Leben des Protagonisten keine Rolle mehr spielen, lässt der Erzähler sie wieder verschwinden. Einige werden schlicht nicht mehr erwähnt, andere begleitet er noch ein Stück.

Nach Grenouilles Mutter widerfährt dies just den vier Männern, die ihn am intensivsten kontaktiert und am skrupellosesten ausgenutzt haben Grimal, Baldini, Taillade, Druot. Grimals und Baldinis Leichname verschwinden in der Seine, Taillade löst sich praktisch in Luft auf, und Druot ist nach wenigen Tagen vergessen.

Das tut er, auf andere Art, allerdings auch schon vorher. Nur im ersten Fall teilt er sich die Regie mit einem Anderen Taillade , und auch nur zum Schein; später lenkt und leitet er alles allein.

Letztlich kommt Grenouille aber damit keinen Deut weiter. Zweimal — erst, als er zu Baldini hin, dann, als er von ihm weggeht — trifft Grenouille Entscheidungen, wie man sie vom Protagonisten der in vielerlei Hinsicht ähnlichen Genres eines Entwicklungs- oder Bildungsromans erwartet. Beide Male will er etwas Neues kennenlernen, und beide Male muss er sich zu diesem Zweck bei jemandem in die Lehre begeben. Allerdings ist hier der Lehrling seinen Lehrmeistern, ihrem Erfahrungsvorsprung zum Trotz, unendlich überlegen.

Gewiss lernt er bei Baldini und später auch bei Druot dazu, doch bedarf er weder deren Anwesenheit noch Anleitung. Was er bei ihnen sucht und findet, ist im Grunde nichts anderes als Schutz und Maske einer bürgerlichen Existenz. Diese Metapher beschreibt einen wesentlichen Aspekt von Grenouilles animalischer, instinktgetriebener Natur: An den üblichen Ingredienzen fehlt es in Süskinds Parfum freilich nicht.

Es gibt einen Täter, nicht weniger als 26 Opfer, falsche Verdächtige und neben den ordentlichen Ermittlern einen unfreiwilligen Amateur-Detektiv, der zugleich Vater des letzten Opfers ist Richis ; es gibt, gleich mehrfach sogar, Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung; und nicht zuletzt gibt es die in diesem Genre beliebten überraschenden Wendungen: Dass er dies nicht aus Einsicht in seine Schuld tut, lässt das Bedürfnis nach Gerechtigkeit allerdings ebenso unbefriedigt wie die Tatsache, dass anstatt seiner ein Unschuldiger hingerichtet wird.

Auch an anderer Stelle unterläuft der Roman gängige Erwartungen an das Genre. So wird das Urteil über die Schuldfähigkeit des Täters ganz dem Leser überlassen.

Die eigentliche Kriminalhandlung nimmt mit nur neun Kapiteln 40—49 vergleichsweise wenig Raum ein. Der wichtigste Schlüsselreiz, auf dem Kriminalliteratur üblicherweise aufbaut, fehlt, denn der Mörder ist dem Leser bekannt.

Auch wird die Täterfindung erzählerisch verknappt und eine Verfolgung oder gar Jagd auf ihn entfällt ganz. Der Verzicht auf eine solche Verfolgungsjagd folgt allerdings weniger einem Kalkül als vielmehr der Logik dieses Romans. Dass er dann jedoch, nach Abschluss der Mordserie, umso leichter gefasst werden kann, liegt wiederum daran, dass er sich kaum dessen bewusst ist, Unrecht begangen zu haben, und daher auch nicht der zu erwartenden Konsequenzen.

Wenngleich Süskind das im Untertitel gegebene Versprechen, Die Geschichte eines Mörders zu erzählen, sehr wohl einlöst, stellt sich doch heraus, dass ihm andere Attribute seines Protagonisten weit wichtiger sind und dass er in der Darstellung Grenouilles als Mörder gerade das ausspart, was von einem Werk dieses Genres allgemein erwartet wird. Hoffmanns Novellensammlung Die Serapionsbrüder , die sie als literarische Vorbilder für Grenouille sehen. Matzkowski sieht wesentliche Voraussetzungen erfüllt, Das Parfum auch als historischen Roman zu lesen.

Er macht das vor allem daran fest, dass Süskind nachweislich aus historischen Quellen geschöpft hat, zum Beispiel bei der Beschreibung handwerklicher Techniken und der hygienischen Verhältnisse im Sie tragen jeweils eine Verantwortung für einen essentiellen Beitrag aus ihren Fachgebieten zu der lebendigen Reflexion und Weiterentwicklung der Erziehungsnotwendigkeiten.

Die Fachrichtung innerhalb der Pädagogik, die sich mit der theoretischen Begründung des Erziehungsbegriffs beschäftigt, ist die Allgemeine Pädagogik. Sie folgt dem Wollen, aber nicht irgendeinem Wollen, sondern demjenigen Wollen, das aus einem bestimmten Gesichtskreis bzw.

Siegfried Bernfeld schrieb aphoristisch: Eduard Spranger — hat seinen Versuch, Erziehung theoretisch zu begründen, anthropologisch gefasst. In seiner berühmten Parabel vom Bogenschnitzer hat er den Ursprung der Erziehung zunächst sinnfällig beschrieben.

Der in vorgeschichtlicher Zeit lebende Bogenschnitzer unterbricht seine Arbeit, um einen Knaben zu zeigen, wie dieser selbst einen Bogen herstellen kann. Spranger zielt hier vor allem darauf, dass Erziehung erst möglich ist, wenn die Lebensumstände es dem Menschen erlauben, sein Kernanliegen der Überlebenssicherung einen Moment zurückzustellen. Von einer anthropologischen Grundlage ging ein halbes Jahrhundert später auch Wolfgang Sünkel — aus, für den Erziehung dazu dient, die kollektive Kulturalität des Menschen zu tradieren, weil diese ja nicht genetisch übergeben werden kann.

Während Erziehungskonzepte Bündel von Einstellungen, Zielen und Überzeugungen sind, bezeichnet der Ausdruck Erziehungsstil die individuellen Verhaltenstendenzen von Eltern und Erziehern. Beispiele für Erziehungskonzepte sind eine leistungs- oder bildungsorientierte, emanzipatorische, antiautoritäre oder christliche Erziehung.

Unterschiedliche Erziehungsstile dagegen zeichnen sich durch ein unterschiedlich hohes Niveau von Autorität , Responsivität und Empathie aus. Erziehung sei diejenige Teilmenge der Sozialisationsvorgänge, die das Kompetenzgefälle zwischen den Erwachsenen und der jüngeren Generation aufheben soll. Erziehung mache den Menschen zum sozialen Geschöpf und diene der Bestandssicherung des sozialen Systems, in dem sie stattfindet.

Als eine Tätigkeit, die von pädagogischen Normen geleitet wird, sei sie allerdings keine urmenschliche Gegebenheit, sondern setze historisch erst zu einem Zeitpunkt ein, an dem die Erziehung über Religion und Familie allein nicht mehr ausgereicht habe.

Der Erziehungswissenschaftler Peter Menck definiert Sozialisation: Die Begriffe Erziehung und Sozialisation greifen nach Menck ineinander, sind aber nicht deckungsgleich. Er spricht von "sich überschneidenden Kreisen". Beiträge zu dieser Frage stammen etwa aus der Soziologie, z.

Nicht selbstverständlich ist weiterhin die Unterscheidung von Erziehung und Bildung. Wie Philipp Eggers bereits gezeigt hat, ist diese Unterscheidung vor allem im deutschsprachigen Raum gebräuchlich.

Im deutschsprachigen Raum hat der Begriff seinen Ursprung im deutschen Idealismus und bezieht sich stärker als Erziehung auf die Kognition. Die ausdrücklich normativen Komponenten von Erziehung fehlen, ebenso wie die affektiven, und die Eigentätigkeit des sich bildenden Individuums steht im Vordergrund, wodurch der Begriff ein Element von Emanzipation erhält.

Während Humboldt im ausgehenden Jahrhundert noch die Bildung aller Menschen im Auge gehabt hatte, entwickelte Bildung sich zum Jahrhundert hin tatsächlich zum Instrument sozialer Distinktion einer bildungsbürgerlichen Minderheit. Weithin geriet der Bildungsbegriff unter Legitimationszwang, als in den ausgehenden er Jahren die Pädagogik von ihrer ursprünglich geisteswissenschaftlichen Orientierung zu einer modernen, empirisch orientierten Sozialwissenschaft umgebaut wurde, die auf Förderungs egalität ausgerichtet war.

Obwohl der Bildungsbegriff obsolet und inhaltlich hohl geworden war, erfuhr er seit Mitte der er Jahre auch einen inflationären Gebrauch und wurde in massiver Überdehnung immer wieder auf Sachverhalte angewandt, die nach allen Definitionskriterien Erziehung sind. Nicht selbstverständlich ist weiterhin die Unterscheidung von Erziehung und Pädagogik.

Noch Kant hat beide Ausdrücke meist synonym verwendet, [29] und viele Autoren folgen ihm darin bis heute. Klar trennbar sind die Begriffe Erziehung und Pädagogik hingegen vom Standpunkt der Empirischen Pädagogik , die Erziehungsnormen zwar beschreibt, anders als die Praktische Pädagogik aber nicht selbst setzt. Die Erziehung war in der westlichen Welt bis ins Jahrhundert hinein vor allem vom Christentum geprägt, wobei das Ideal der christlichen Erziehung der gläubige Mensch war.

Der mittelalterlichen Scholastik ist es zu verdanken, dass in die christliche Pädagogik auch aristotelisches Gedankengut einging. Die Aufklärung , der Neuhumanismus und der deutsche Idealismus führten vom Jahrhundert an zur Entstehung einer säkularisierten bürgerlichen Erziehungsphilosophie, deren Ideal der gebildete, aufgeklärte Mensch war, der gleichzeitig ein nützliches Mitglied der Gesellschaft ist.

In einer zweiten, von Jean-Jacques Rousseau ausgehenden Traditionslinie entstanden seit dem Jahrhundert verschiedene Strömungen der Reformpädagogik , die sich gegen Lebensfremdheit und Autoritarismus wandten und ihre Pädagogik vom Kinde her zu entwickeln versuchten. Das bewusste, reflektierte, später auch von Ratgeberliteratur beeinflusste Erziehen im Elternhaus setzte mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft im Jahrhundert ein, die die Erziehung zum zentralen Zweck der Institution Familie machte.

Der Nationalsozialismus brachte im Jahrhundert keine eigenständige Erziehungsphilosophie hervor, der systematische Missbrauch, den dieses Regime mit Erziehung trieb, hatte im deutschen Sprachraum nach jedoch eine langwierige Diskreditierung von Autorität zur Folge.

In den Vereinigten Staaten dagegen, wo für einen vergleichbaren Autoritätsdiskurs die historischen Voraussetzungen fehlten, entstanden in den er Jahren Ansätze zu einer modernen Charaktererziehung , die die Ideale der bürgerlichen Erziehung mit Einsichten der aktuellen psychologischen Forschung und den gesellschaftlichen Herausforderungen des Jahrhunderts zu vereinbaren sucht. Der Mensch kommt als ein hilfloses Wesen zur Welt, das fremder Fürsorge bedarf und seine körperlichen, geistigen und seelischen Anlagen in der Jugend und im weiteren Leben entwickeln muss, um ein vollwertiges Mitglied der menschlichen Gemeinschaft zu werden.

Die Pädagogik charakterisiert den jungen Menschen insofern als Educandus: In diesem Sinn wird Erziehung von der Erziehungswissenschaft als Hilfe zur Selbstgestaltung der Persönlichkeit verstanden, wobei die tatsächliche Umsetzung letztendlich bei dem zu Erziehenden selbst liegt. Eine Garantie für das Gelingen des Lerntransfers gibt es dabei nach herrschender Auffassung nicht, der gewünschte Erfolg kann seitens des Erziehers nur erhofft werden: Der Charakter der Freiheit menschlicher Entscheidungen bestimmt jedoch, dass jedes Lernen letztlich mit Transferhoffnung verbunden bleibt und die Auswirkungen von Lernprozessen nicht programmiert werden können.

Auf dem Titelbild ist ein Teich mit einem alten und drei jungen Krebsen zu sehen, die das Lehrer-Schüler-Verhältnis symbolisieren.

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